Technical Due Diligence Solarpark: Thermografie als Bewertungsinstrument
Der Kauf eines Solarparks ist eine langfristige Investitionsentscheidung. Ertragsmodelle, Finanzierungsstruktur und Netzanschlussverträge lassen sich aus Dokumenten ablesen – der tatsächliche technische Zustand der Anlage nicht. Genau hier setzt die Thermografie an: Als einziges Verfahren liefert sie ein vollständiges Bild des aktuellen Betriebszustands aller Module, noch bevor der Kaufvertrag unterschrieben ist.
Was ist eine Technical Due Diligence für Solarparks?
Die Technical Due Diligence (TDD) ist die systematische technische Prüfung einer PV-Anlage im Rahmen eines Transaktionsprozesses. Sie wird typischerweise vom Käufer beauftragt – oft über einen unabhängigen Gutachter – und liefert eine strukturierte Bewertung des Anlagenzustands, der Restlebensdauer und der technischen Risiken.
Eine vollständige TDD für Solarparks umfasst mehrere Prüfkomponenten: die Dokumentenprüfung (Genehmigungen, Netzanschlussverträge, Wartungsprotokolle, Versicherungen), die technische Vor-Ort-Inspektion und eine Ertragsanalyse auf Basis historischer Monitoring-Daten. Die Thermografie ist dabei der wichtigste Teil der Vor-Ort-Inspektion – sie liefert Informationen, die keine andere Prüfmethode bereithält.
Der Markt für Solarpark-Transaktionen ist in Deutschland erheblich gewachsen. Nach Angaben des Bundesnetzagentur sind Tausende von Bestandsanlagen aus dem EEG-Förderzeitraum 2010–2015 auf dem Markt oder kurz vor dem Ende ihrer Einspeisevergütung. Der technische Zustand dieser Anlagen – viele davon 12–15 Jahre alt – variiert erheblich und rechtfertigt eine sorgfältige Prüfung vor jeder Transaktion.
Warum Thermografie bei der TDD unverzichtbar ist
Das Energiemonitoring einer PV-Anlage zeigt den Gesamtertrag – aber es verbirgt die Ursachen von Abweichungen. Eine Anlage, die 5 % unter den Erwartungswerten liegt, könnte einen einzigen großen Defekt haben, hunderte kleine Einzelschäden oder eine Kombination aus beidem. Das Monitoring unterscheidet das nicht.
Die Thermografie löst dieses Problem direkt: Sie macht jeden einzelnen aktiv wirksamen Defekt sichtbar und lokalisierbar. Der TDD-Gutachter erhält damit nicht nur eine Defektliste, sondern auch eine Grundlage zur Schätzung der Instandsetzungskosten – ein entscheidender Input für die Kaufpreisverhandlung.
Hinzu kommt: Viele Defekte entwickeln sich über Jahre unentdeckt. PID-Degradation, schleichende Delamination und schrittweise versagende Bypass-Dioden sind im Monitoring kaum erkennbar, im Thermogramm aber eindeutig. Eine Anlage, die gut performt, kann trotzdem erhebliche latente Defekte aufweisen, die in den nächsten Jahren zu Ausfällen führen werden.
Ablauf der Thermografie im TDD-Prozess
Dokumentenprüfung vor der Befliegung
Anlagendokumentation, Monitoring-Daten der letzten 3 Jahre, Wartungsprotokolle und eventuelle Vorschäden werden gesichtet. Auffälligkeiten im historischen Ertragsverlauf geben Hinweise auf mögliche Problemzonen – die Drohne fliegt diese Bereiche mit besonderer Aufmerksamkeit an.
100 % Modulabdeckung, georeferenziert
Die Drohnenthermografie erfasst alle Module in einem einzigen Befliegungsvorgang. Simultane IR- und RGB-Aufnahmen werden georeferenziert gespeichert. Das Ergebnis ist ein lückenloses Thermogramm der gesamten Anlage – unabhängig von Größe und Geometrie des Parks.
Wechselrichter, Stringboxen, AC-Verteiler
Alle elektrischen Komponenten außerhalb der Module werden mit der Handkamera inspiziert. Bei älteren Anlagen sind überhitzte Anschlusskästen und korrodierte Verbinder häufige Befunde – und oft günstiger zu beheben als Modulschäden, wenn sie frühzeitig erkannt werden.
Defekte nach Kritikalität und Instandsetzungskosten
Alle Anomalien werden nach IEC TS 62446-3 klassifiziert und einer Prioritätsstufe zugeordnet. Für jeden Defekttyp wird eine Schätzung der Instandsetzungskosten erstellt. Das Ergebnis: eine strukturierte Mängelliste mit monetarisiertem Risiko – die direkte Grundlage für Kaufpreisverhandlungen.
IEC-konformer Bericht mit Investitionsrisiko-Einschätzung
Der vollständige Thermografie-Bericht wird in den TDD-Gesamtbericht integriert. Er enthält georeferenzierte Thermogramme, Defektliste mit Kostenschätzungen, Ertragsverlustkalkulation und eine abschließende Risikobewertung. Dieser Bericht kann direkt in Kaufvertragsverhandlungen eingesetzt werden.
Thermografisch relevante Defekte bei der TDD
Nicht jeder Defekt hat dieselbe Relevanz für eine Investitionsentscheidung. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Befundkategorien und ihre typische Auswirkung auf Kaufpreis und Risikoeinschätzung:
Wenn mehr als 5–10 % der Module PID-Muster zeigen, deutet das auf ein systemisches Problem hin – möglicherweise fehlerhafte Erdung oder falsche Wechselrichtereinstellung. Reversibel nur mit erheblichem Aufwand.
Hotspots mit ΔT über 30 K stellen ein akutes Brandrisiko dar. Versicherungen verlangen in diesem Fall häufig sofortige Behebung als Voraussetzung für den Versicherungsschutz.
Ein erhöhter Anteil defekter Bypass-Dioden deutet auf Qualitätsprobleme eines bestimmten Modultyps oder -jahrgangs hin und kann auf weitere, noch nicht sichtbare Ausfälle hinweisen.
Korrodierte Verbinder und fehlerhafte Dichtungen in Anschlusskästen sind bei älteren Anlagen häufig. Günstig zu beheben, aber ein Indikator für mangelnde Wartung – was weiterer Überprüfung bedarf.
Vereinzelte Hotspots und Substring-Ausfälle sind bei Anlagen ab 5 Jahren Betriebsdauer normal. Relevant ist die Rate: unter 1 % betroffene Module ist branchenüblich, über 3 % ist auffällig.
Bei Anlagen ab 8–10 Jahren zunehmend. Thermografisch teilweise sichtbar, für vollständige Diagnose ergänzend EL-Messung empfohlen. Relevant für Einschätzung der Restlebensdauer.
Thermografie-Befunde und Kaufpreisverhandlung
Ein detaillierter Thermografie-Bericht ist kein reines Informationsdokument – er ist ein Verhandlungsinstrument. Die gefundenen Defekte lassen sich direkt in monetäre Werte übersetzen:
Gefundene Defekte lassen sich direkt in monetäre Instandsetzungskosten übersetzen, die als Grundlage für Kaufpreisverhandlungen dienen. Je nach Art und Umfang der Mängel können diese Beträge erheblich sein – unser Thermografiebericht enthält für jeden Befund eine qualifizierte Kostenschätzung, die direkt in die Verhandlung eingebracht werden kann.
Der kapitalisierte Ertragsverlust ist der stärkste Verhandlungshebel: Wenn eine Anlage durch Defekte jährlich erheblichem Ertrag verliert und diese Defekte mit Instandsetzungskosten zu beheben sind, rechtfertigt das eine Kaufpreisminderung von mindestens erheblichem Betrag – sowohl die Instandsetzungskosten als auch die entgangenen Erträge bis zur Behebung.
Checkliste: Was ein guter TDD-Thermografiebericht enthalten muss
Nicht jedes Thermografie-Gutachten ist für TDD-Zwecke geeignet. Folgende Punkte müssen im Bericht enthalten sein, damit er in Kaufvertragsverhandlungen belastbar eingesetzt werden kann:
Kosten einer TDD-Thermografie
Die Kosten für die Thermografie im Rahmen einer Technical Due Diligence orientieren sich an den allgemeinen Inspektionspreisen, sind aber durch den erhöhten Dokumentationsaufwand in der Regel 20–40 % höher als bei einer regulären Wartungsinspektion. Für den vollständigen IEC-konformen TDD-Bericht mit Ertragsverlustkalkulation und Instandsetzungskostenschätzung:
Preisanfrage: Die Kosten eines TDD-Thermografieguachtens hängen von Parkgröße, Standort und Detailtiefe ab. Kontaktieren Sie uns – wir erstellen ein individuelles Angebot, das zum Rahmen Ihrer Transaktion passt.
Im Verhältnis zum Transaktionsvolumen sind diese Kosten minimal: Im Verhältnis zum Transaktionsvolumen eines Solarparks sind die Kosten eines Thermografieguachtens minimal. Das Risiko, das sie absichern, ist um ein Vielfaches größer.
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Jetzt anfragen →Häufige Fragen
Eine TDD ist die technische Zustandsbewertung einer PV-Anlage vor einer Investitionsentscheidung. Sie umfasst Dokumentenprüfung, Vor-Ort-Inspektion inklusive Thermografie sowie eine Bewertung der Restlebensdauer und des Ertragspotenzials.
Thermografie ist das einzige Verfahren, das den aktuellen Betriebszustand aller Module dokumentiert. Defekte, die im Monitoring unsichtbar sind, werden thermisch sichtbar und können Kaufpreis sowie Risikoeinschätzung erheblich beeinflussen.
Ja. Signifikante Defekte rechtfertigen Kaufpreisminderungen oder Nachbesserungspflichten des Verkäufers. Ein IEC-konformer Thermografiebericht mit Ertragsverlustkalkulation bildet die Grundlage für solche Verhandlungen.
Üblicherweise der Käufer als Teil der technischen Prüfung. In manchen Fällen stellt der Verkäufer ein aktuelles Gutachten proaktiv bereit, um den Verkaufsprozess zu beschleunigen und Vertrauen zu schaffen.
Fazit
Thermografie ist bei der Technical Due Diligence von Solarparks kein optionaler Zusatz – sie ist der wichtigste Bestandteil der Vor-Ort-Inspektion. Kein anderes Verfahren liefert in vergleichbarer Zeit ein so vollständiges Bild des Anlagenzustands. Die Kosten sind im Verhältnis zum Transaktionsvolumen minimal, das Risiko einer ungründlichen Prüfung dagegen erheblich.
Wer einen Solarpark kauft, ohne vorher eine Thermografie durchgeführt zu haben, kauft eine Black Box. Wer sie durchführt, kauft mit Wissen – und verhandelt entsprechend. Weitere Informationen zur Technik finden Sie im vollständigen Leitfaden, zur Drohneninspektion im Artikel über Drohnen-Thermografie für Solarparks.